Corona cuts exchange year short

Auch das Akademische Auslandsjahr in den USA findet in Zeiten der Corona – Pandemie bei 3 ehemaligen Schülerinnen der Gesamtschule Gedern ein abruptes Ende Mit großem Interesse verfolgte Lehrerin Britta Schäfer-Clarke von der Gesamtschule Gedern in den vergangenen Monaten, was ihre ehemaligen Schülerinnen Nina Ahlig, Cora Gottschalk und Viktoria Lofink alles in der amerikanischen Partnerstadt Gederns – „Columbia“ im Bundesstaat Illinois, erlebten. Das neue Profilbild eines der Mädchen, welches eine selbstgebackene Torte mit der Aufschrift „Welcome home Viktoria“ zeigte, nahm sie gleich zum Anlass, mit den dreien per Videokonferenz ausführlich über ihre Erlebnisse zu sprechen. Seit wenigen Tagen sind die jungen 17-jährigen Damen aus dem Wetteraukreis unverhofft früh wieder aus der Kleinstadt „Columbia“, die nur 20 km südwestlich St-Louis liegt, zurück in ihre Heimat Burkhards, Ober-Seemen und Gedern gekehrt. Denn auch im Bundesstaat Illinois veränderte sich aufgrund der Corona-Krise alles ganz schnell: Ihre High School schloss am 17.3.; eine allgemeine Ausgangssperre wurde am 21.3. verhängt. Bevor es zu diesem „Lockdown“ kam, hatten teils die Eltern, teils aber auch das verantwortliche Austauschprogramm GAPP (German American Partnership Programme) entschieden, das alle drei schnellstmöglich Flugtickets für die Heimreise kaufen sollten. Für Viktoria war es in dieser Situation sehr hilfreich, dass der Deutschlehrer und GAPP Koordinator an der Columbia High School, Mr. Taylor Nickerson, half. Denn „letztendlich waren wir mit der Buchung des Rückflugs auf uns allein gestellt. Und ein bisschen Panik kam bei mir schon hoch, als die ersten Flüge, die wir kaufen wollten, nach und nach einfach gecancelt wurden.“ Die 3 traten in unterschiedlichen Flügen die Heimreise an. Über den Inlandflug von St. Louis nach Chicago berichtet Cora. Ihre Eltern hatten bereits einige Tage vor den offiziellen Entscheidungen in den USA aus Sorge um ihre Tochter und deren schon älteren US-Gasteltern Coras Rückkehr in die Wege geleitet: „ Von den 30 Sitzplätzen waren nur 8 besetzt und wir saßen alle möglichst weit voneinander entfernt. Am Flughafen Chicago war bereits alles ungewöhnlich leer und am kleinen Essenskiosk dort bemerkte ich den verängstigten Gesichtsausdruck der Verkäuferin. Sie trug Schutzmaske und Handschuhe und wollte auf keinen Fall mit mir reden oder mein Essen anfassen.“ Bei Nina war es auch die hohe gesundheitliche Risikogefährdung ihres Gastvaters die dazu führte, dass ihre Gastfamilie sie nicht länger aufnehmen konnten. Ninas Rückflug verlief gut:“…obwohl ich zunächst besorgt war, da ich ganz alleine reiste. Wie viele der anderen Passagiere trug ich Mundschutz und Handschuhe. Und alle versuchten Abstand zu halten.“ Eigentlich wollten alle drei Mädchen erst im Frühsommer das „Academic Year“ an der Columbia High School abschließen. Nun können sie an den Examina nicht mehr teilnehmen, was ihre Schulnoten erst finalisiert hätte. Mitten im 2. Halbjahr zurückgekehrt werden sie, falls nach Ostern die Schulen hierzulande wieder geöffnet werden, in Nidda respektive Konradsdorf das 11. Schuljahr hoffentlich abschließen können. Einige außergewöhnliche US-amerikanische Unterrichtsfächer und Veranstaltungen, wie z.B. Anatomie, Psychologie oder Auftritte mit den Schulchören werden sie sehr vermissen. Für Viktoria stand nach dem lernintensivem Anatomieunterricht demnächst ein „Field Trip“ in ein Labor der Logan University an, in dem Leichen seziert werden: „Ich hatte mich sehr auf diese außergewöhnliche Lernerfahrung gefreut, die es so in deutschen Oberstufen gar nicht gibt.“ Nina hingegen hatte gerade noch Glück, denn ihre große Leidenschaft selbst zu singen konnte sie vor großem Publikum noch zeigen: „In den alljährlich stattfindenden Shows der Schulchöre konnte ich vom 11. Bis zum 15. März noch ein Solo singen. Ich entschied mich für „Ein bisschen Frieden“ von Nicole, dass ich halb auf Deutsch und halb auf Englisch sang. Ich habe gerade diesen Song ausgesucht, da mir das Thema des Lieds – der Weltfrieden – sehr am Herzen liegt und ich gerade als „Botschafterin“ eines anderen Landes versuchen wollte diese Message zu verbreiten. Ich wollte den Leuten auch musikalisch vermitteln, wie wichtig ein friedliches Zusammenleben mit mehr Liebe ist. Während meiner High School Zeit war es eine unvergessliche Erfahrung, zusammen mit den vielen musikbegeisterten und talentierten amerikanischen Schülern ein Teil der Chöre, des Orchesters und der Band zu sein.“ Sehr enttäuscht sind die Drei, dass sie am absoluten Highlight eines jeden High School Jahres, der Prom- dem alljährlich stattfindenden prunkvollen Tanz der Schulabgänger - nicht dabei sein werden. Dafür hatten sie sich schon ihre Wunschkleider gekauft und langfristig über das komplette Outfit sowie das Styling gemeinsam beratschlagt. Nur gut, dass sie diesen Event schon im vorigen Jahr während ihres dreiwöchigen Schüleraustauschs der Gesamtschule Gedern an die Columbia High School erleben konnten. Die Enttäuschung darüber ist nun nicht ganz so groß. Das an der Gesamtschule Gedern seit 27 Jahren bestehende Schüleraustauschprogramm hatte schließlich auch die Weichen für ihr Austauschjahr gestellt: „Während des Austauschs mit unseren Lehrern Britta Schäfer-Clarke und Andreas Heuser erlebten wir so viel Positives, dass für uns im Anschluss gleich feststand, dass wir mehr über die amerikanischen Lebensweisen sowie die High School Kultur lernen wollten“, und den perfekten Ort dafür hatten sie ja so auch schon gefunden, bestätigen Nina, Cora und Viki. So haben sie auch in den zurückliegenden sieben Monaten mit ihren Austauschfamilien, den neuen Schulkameradinnen und -kameraden und auch den Mitgliedern des dortigen Verschwisterungsvereins „Sister Cities“ viel Unvergessliches erlebt und tiefe Freundschaften geschlossen. Wenn es in den Gastfamilien oder in der Schule auch einmal Probleme gab, dann haben sie gelernt dies offen anzusprechen und gemeinsam nach konstruktiven Lösungen zu suchen. Sie haben auch gelernt, sich auf den US-amerikanischen Alltag einzulassen und Cora bestätigt, dass tatsächlich viele der stereotypischen Vorurteile auf die Mehrheit der Menschen dort zutraf: „Die Leute scheuen sich wirklich davor zu Fuß irgend wohin zu gehen, das Kochen zu Hause wird oftmals für überbewertet gehalten, der Fernseher läuft durchgängig und das Wort Pünktlichkeit scheinen viele noch nicht gehört zu haben.“ Heimweh nach Deutschland, ihren Familien und sogar dem deutschen Schulsystem ☺ hatten sie alle nach einer gewissen Zeit. Und so freuten sie sich jetzt nach anfänglich riesiger Enttäuschung und vielen Abschiedstränen auf ihr Zuhause in der Wetterau. „Der abrupte Abschied von lieb gewonnenen Freunden und all den Lehrkräften in den USA ging nur noch kurz per Mail“, so Nina. Und Viki und Cora merken noch an: „Sehr viele Amerikaner machen sich nun große Sorgen um die wirtschaftichen Folgen der Corona Pandemie, denn die Sozialversicherungssystem greifen bekanntlich in Amerika nicht so wie bei uns. Und hoffentlich werden die gesundheitlichen Auswirkungen nicht so gravierend, da auch das Gesundheitssystem bei Weitem nicht so stabil ist wie unseres. Wir wünschen unseren Gastfamilien und allen von der Columbia High School jetzt alles Gute! “ Die USA Rückkehrerinnen hoffen, dass es für zukünftige Austauschschüler wieder möglich sein wird, die tolle Erfahrung eines Auslandsjahres zu machen, „denn dieses ist nicht nur eine Möglichkeit seine Sprachkenntnisse weiterzuentwickeln. Man bildet auch seine Persönlichkeit weiter, da man selbstständiger, spontaner und extrovertierter wird“, so Viki. Und Nina und Cora fügen noch hinzu: „Wenn ihr wie wir diese Chance bekommt, dann geht auf Menschen zu so viel es geht, auch wenn dies vielleicht anfangs Überwindung kostet! Schließt euch einigen der vielen Schul-Clubs und Sportaktivitäten an! Seid unternehmungslustig und erlebt so viel wie möglich! Wir werden die gemeinsamen Musical-Besuch mit der Vorsitzenden von Sister Cities, Ingrid Soraghan, z.B. nie vergessen. Für uns musikbegeisterte Mädels, die den Großteil ihres Lebens in einer ländlichen Umgebung verbracht haben, waren diese Erfahrungen extraordinary and unforgettable. Wir sind mehr als dankbar, dass wir gemeinsam dieses verkürzte Austauschjahr genießen durften und gemeistert haben.“ Bericht: Britta Schäfer-Clarke Fotos: Nina Ahlig, Cora Gottschalk, Viktoria Lohfink


https://www.kreis-anzeiger.de/lokales/wetteraukreis/gedern/wegen-corona-pandemie-auslandsjahr-in-den-usa-endet-abrupt_21506187

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